Du möchtest nach Kroatien. Du hast dich informiert, mit Menschen gesprochen und dir vorgestellt, wie dein Leben dort aussehen könnte. Doch sobald aus dem Gedanken eine Entscheidung werden soll, kommt das Aber.
Was ist, wenn ich krank werde? Wenn die Abläufe ganz anders sind? Wenn ich mich auf etwas einlasse, das ich noch gar nicht richtig kenne?
Wenn du Angst vor dem Auswandern hast, schau zuerst darauf, wovor genau. Fehlt dir eine verlässliche Information? Steht eine wichtige Voraussetzung noch nicht? Oder suchst du nach einer Sicherheit, die dir auch die nächste Recherche nicht geben kann?
Du musst deine Sorgen nicht kleinreden. Aber du kannst prüfen, welche davon eine konkrete Aufgabe enthalten – und was dich darüber hinaus zurückhält.
Meine Sorge war die medizinische Versorgung
Nach über 50 Jahren in Deutschland kannte ich dort vieles. Hier in Kroatien musste ich Abläufe erst kennenlernen. Mein Bleiben entstand ungeplant aus familiären Umständen. Die Frage, wie mein Leben hier dauerhaft funktionieren würde, stellte sich trotzdem.
Besonders beschäftigt hat mich die medizinische Versorgung. Ich bin insulinpflichtiger Diabetiker und trage eine Insulinpumpe. Für mich gehört eine verlässliche Versorgung zum täglichen Leben.
Von Kroaten, die in Deutschland leben, hörte ich immer wieder, dass sie für Arztbesuche nach Deutschland fahren und deshalb dort noch einen Wohnsitz haben. Solche Erzählungen haben mich verunsichert. Wenn andere das so machen, was würde mich dann hier erwarten?
Heute würde ich genauer trennen: Was erzählt jemand über seinen eigenen Weg? Und was sagt das tatsächlich über meine Möglichkeiten aus?
Dass jemand für seine Behandlung nach Deutschland fährt, beantwortet noch nicht die Frage, wie meine Versorgung an meinem Wohnort in Kroatien organisiert werden kann. Dafür brauchte ich Antworten zu meinem konkreten Fall.
Es gab Schwierigkeiten. Und es hat sich eingespielt.
Der Anfang war durchaus herausfordernd. Die beteiligten Ärzte wussten zunächst nicht, welche šifra-Nummern sie für meine Verschreibungen verwenden mussten – also die passenden Codes. Außerdem war mein bisheriges Insulin hier nicht in der Darreichungsform verfügbar, die ich aus Deutschland kannte.
Das waren echte Fragen, die geklärt werden mussten. Gerade deshalb war es wichtig, sich rechtzeitig zu kümmern.
Nachdem der erste Check-up über einen Facharzt beziehungsweise eine Klinik erfolgt war und die Beteiligten die richtigen Codes hatten, spielte sich meine Versorgung ein. Heute läuft sie bei mir reibungslos. Die Bestellung und Einlösung der Rezepte erlebe ich inzwischen sogar als einfacher als zuvor in Deutschland.
Das ist meine persönliche Erfahrung mit meiner Versorgung. Wie es bei dir aussieht, muss für deine Behandlung, deine Absicherung und deinen Wohnort geklärt werden.
Für mich zeigt diese Erfahrung: Eine Schwierigkeit am Anfang sagt noch nicht, wie der Alltag später läuft. Sie zeigt zunächst, worum du dich kümmern musst.
Was steckt hinter deiner Angst vor dem Auswandern?
„Mir fehlt der Mut“ klingt eindeutig. Trotzdem kann dahinter sehr Unterschiedliches stehen. Nimm eine Sorge, die dich gerade beschäftigt, und prüfe, welche dieser Fragen dazu passt.
Fehlt dir eine konkrete Antwort?
„Ich weiß nicht, ob ich in Kroatien gut versorgt bin“ ist eine große Frage. Daraus können kleinere, beantwortbare Fragen werden:
- Wer behandelt mich an meinem künftigen Wohnort?
- Ist mein konkretes Medikament in der benötigten Darreichungsform verfügbar?
- Wie werden meine Hilfsmittel und Folgerezepte organisiert?
- Wie ist meine Absicherung beim Wechsel geregelt?
Diese Punkte gehören zu den behandelnden Ärzten, dem zuständigen Versicherungsträger und gegebenenfalls der Apotheke oder dem Hilfsmittelanbieter. Eine andere Darreichungsform oder eine Versorgungslücke solltest du vor dem Wechsel mit den zuständigen Fachpersonen klären.
Die HZZO veröffentlicht offizielle Hilfsmittellisten mit Codes. Dass solche Listen existieren, klärt allerdings noch nicht deinen individuellen Anspruch oder die Verfügbarkeit deines Produkts. Offizielle HZZO-Informationen zu Hilfsmitteln.
Auch bei Einkommen, Wohnen oder Steuern hilft dieselbe Genauigkeit: Welche Antwort fehlt dir, und wer kann sie für deinen Fall verlässlich geben?
Würdest du etwas vermissen, das dir wichtig ist?
Vielleicht sind die organisatorischen Fragen weitgehend geklärt. Trotzdem fällt dir die Entscheidung schwer, weil deine Freunde bleiben. Weil du deine vertrauten Wege aufgibst. Oder weil du nicht weißt, wie oft du deine Familie sehen wirst.
Dann lohnt es sich, diesen Verlust ernst zu nehmen. Was möchtest du erhalten? Welche Besuche wären zeitlich und finanziell möglich? Wie würde regelmäßiger Kontakt aussehen?
Auch bei einer Rückkehr nach Kroatien darf das eine Rolle spielen. Kroatische Wurzeln bedeuten nicht, dass dir das Leben leichtfallen muss, das du nach vielen Jahren im Ausland neu aufbaust.
Möchtest du selbst diesen Alltag?
Vielleicht wünschen sich dein Partner oder deine Familie den Umzug stärker als du. Vielleicht liebst du Kroatien, möchtest aber deinen Lebensmittelpunkt gerade noch nicht verlegen.
Schreibe für dich auf: Wie möchte ich hier an einem gewöhnlichen Werktag leben? Was erhoffe ich mir davon? Und welche Bedingungen brauche ich, damit dieser Alltag zu mir passt?
Wenn dabei Zweifel an deinem eigenen Wunsch auftauchen, verdienen sie genauso viel Aufmerksamkeit wie eine offene Versicherungsfrage. Du musst dich nicht in eine Entscheidung hineinreden lassen.
Oder beginnt nach jeder Antwort ein neues „Was wäre, wenn …“?
Eine Frage ist geklärt, schon folgt die nächste mögliche Schwierigkeit. Was, wenn du dich nicht wohlfühlst? Wenn du jemanden falsch verstehst? Wenn du später anders entscheiden möchtest?
Der britische Gesundheitsdienst NHS empfiehlt beim Umgang mit Sorgen, konkrete lösbare Probleme von hypothetischen Befürchtungen zu unterscheiden und für beeinflussbare Punkte einen konkreten Handlungsplan zu machen. Diese Unterscheidung kann dir auch bei deiner Umzugsentscheidung helfen. NHS: Umgang mit Sorgen.
Frag dich: Gibt es dazu gerade etwas zu klären oder zu tun? Oder spiele ich dieselbe Möglichkeit immer wieder durch, ohne neue Informationen zu gewinnen?
Prüfe fremde Erfahrungen, bevor sie deine Entscheidung bestimmen
Die Geschichten anderer können wertvoll sein. Sie können auf Schwierigkeiten hinweisen, an die du selbst noch nicht gedacht hast. Trotzdem fehlt manchmal genau die Information, die für dich entscheidend wäre.
Bevor du eine Erfahrung auf dich überträgst, prüfe:
- Wie ähnlich ist die Situation? Geht es um dieselbe Behandlung, Erwerbssituation oder Lebensphase?
- Wo und wann war das? Eine Erfahrung aus einem anderen Ort oder von vor einigen Jahren braucht Einordnung.
- Was ist tatsächlich passiert? Fehlt eine Leistung, ist ein Ablauf unklar oder bevorzugt die Person einfach ihren vertrauten Ansprechpartner?
- Welche Frage ergibt sich für dich daraus? Halte sie fest und kläre sie an der passenden Stelle.
Du musst fremde Erzählungen weder abtun noch ungeprüft übernehmen. Nutze sie, um genauer nachzufragen.
Mach aus deiner größten Sorge einen nächsten Schritt
Nimm dir ein Blatt und vervollständige diese vier Sätze:
- Ich habe konkret Angst davor, dass … Benenne eine Situation möglichst genau.
- Sicher weiß ich bisher … Trenne bestätigte Informationen von Erzählungen und eigenen Vermutungen.
- Bevor ich entscheide, brauche ich … Formuliere eine Antwort, eine Voraussetzung oder ein Gespräch.
- Als Nächstes werde ich … Schreibe dazu, wen du kontaktierst oder was du prüfst – und wann.
Lege auch fest, woran du erkennst, dass dieser Punkt ausreichend geklärt ist. Bei einer laufenden Behandlung könnte das ein mit den Fachpersonen abgestimmter Versorgungsplan sein. Beim Wohnen ein tragfähiger Vertrag und eine realistische Kostenübersicht. Beim Alltag ein Aufenthalt, in dem du deine normalen Wege tatsächlich ausprobierst.
Wenn du zunächst die praktischen Themen sammeln möchtest, findest du hier meinen Beitrag zum Auswandern nach Kroatien und zur Vorbereitung deines Umzugs.
Du darfst gehen. Du darfst dir auch noch Zeit nehmen.
Mir hat geholfen, ins Handeln zu kommen und mich nicht in jedem denkbaren „Was könnte sein, wenn …“ zu verlieren. Meine Erfahrung mit der Versorgung gehört aber genauso dazu: Manche Dinge brauchen rechtzeitige Klärung.
Wenn eine wichtige Voraussetzung fehlt, kann Verschieben eine vernünftige Entscheidung sein. Wenn dein Wunsch nicht mehr stimmt, darfst du ihn verändern. Und wenn die tragenden Fragen geklärt sind, darfst du einen Schritt wagen, obwohl noch Unsicherheit bleibt.
Du musst heute nicht dein ganzes künftiges Leben entscheiden. Vielleicht steht heute erst ein Anruf an. Ein Gespräch mit deinem Partner. Oder die ehrliche Antwort darauf, was du selbst möchtest.
Lass uns anschauen, was dich noch zurückhält
Du hast viele Informationen gesammelt, aber deine eigenen Fragen gehen darin unter? Im CroCall können wir gemeinsam auf deine Situation schauen: Was beschäftigt dich am meisten, welche Fragen sind noch offen und welche nächsten Schritte kommen für dich infrage?
Ich bereite mich anhand deiner Angaben und deiner bis zu drei wichtigsten Fragen vor. Wir sprechen 60 Minuten per Video. Innerhalb von zwei Werktagen bekommst du eine kurze schriftliche Zusammenfassung; eine kurze Verständnisfrage zum Gespräch kannst du mir innerhalb von sieben Tagen per E-Mail stellen.
Der CroCall kostet einmalig 129 €. Er bietet persönliche und praktische Orientierung. Für deine individuelle medizinische Versorgung sowie verbindliche Rechts- oder Steuerfragen brauchst du die jeweils zuständigen Fachpersonen.
Wir schauen auf das, was für deinen nächsten Schritt wichtig ist. Die Entscheidung bleibt bei dir.
